Im Juli 2009 wurde ich in L.A. zu einem Filmcasting gebeten. Sofia Coppola suchte Journalisten, die in ihrem neuen Film Somewhere, ja, Journalisten spielen würden. Ich ging aus Neugierde hin, las drei Zeilen von einem Blatt und bekam am nächsten Tag die Zusage.
Am übernächsten sagte ich alles ab: der Dreh war in einer Woche, in der ich nicht in Los Angeles sein konnte. Gage gabs auch nicht. Und – ich hätte in allen Kategorien, für die der Film in Frage kommt (Bestes Drama, Beste Schauspieler, Musik, Regie, Drehbuch) nicht bei den Golden Globes wählen dürfen.
Aber erst seit gestern weiß ich, wie klug meine Entscheidung war: bei der Premiere in Venedig wand ich mich in meinem Kinosessel: vor Langeweile, vor Peinlichkeit und nochmal vor Langeweile. Somewhere sollte Nowhere heißen. Dahin geht die Story nämlich. Schon die erste Szene gibt einen klaren Hinweis auf die restlichen 96 Minuten – oder gefühlten vier Stunden. Da fährt ein Typ in einem schwarzen Ferrari in der Wüste im Kreis. Dreimal, viermal, fünfmal, sechsmal, siebenmal…
Sofia Coppola hat zwei hervorragende Filme gemacht, The Virgin Suicides und Lost in Translation. Marie Antoinette war unerträglich. Somewhere ist ein 10er-Valium. Und es ist ein Film, der vor Faulheit stinkt: ein faules Drehbuch, faule Dialoge, faule Kameraführung, faule Regie. Miss Coppola braucht dringend einen Hit. Sonst ist ihre Karriere trotz des großen Namens endgültig over.
Bei der Premierenparty im Palazzo Poulignac auf dem Canale Grande, meinte einer der reichsten Venezianer: „Ich brauche einen Whisky! Oder besser drei!“ Ich konnte es ihm nachfühlen. Und nur eins tut mir leid: dass ich nicht mit Stephen Dorff gearbeitet habe. Denn der ist ein echter Schnuckel. Und wirklich nett.

Stephen Dorff, Sofia Coppola, Elle Fanning (Dakota's kleine Schwester)
Alles über das Festival können Sie in meinem Venedig-Tagebuch kommenden Freitag im LiVe , Ausgabe 10.9., lesen.

Die Cangianos mischen die Modeszene ganz schön auf. Auch Wien ist nach ihrem Geschmack.