Mein modischer Festival-Guide

Jedes Jahr dasselbe Dilemma: richtig packen für ein 12-tägiges Filmfestival. Ich fahre pro Jahr auf drei Festivals – Cannes, Venedig, Toronto. Sundance zählt hier nicht, denn im Schiort geht man mit Schikleidung auf Screenings UND Partys. Im Schwierigkeitsgrad liegt Cannes auf der Packskala 1-10 auf Nummer 13. Venedig bei 5 = leichter, Toronto bei 7. Cannes naht mit bedrohlichen Schritten – Start am 15. Mai. Ich muss nicht nur für jedes Wetter packen – letztes Jahr schiffte es praktisch durch und war saukalt –, sondern auch für die verschiedenste Tagesplanung und Events.


In Calvin Klein mit Blake Lively auf einer Villenparty in Cannes – es war kalt

Problem: In Cannes geht gar nix casual. In der Früh übernachtig in Shorts und Flipflops aus dem Bett ins 8:30h Screening fallen, ist in Venedig de rigeur, aber in Cannes kann das eher wenig. Noch dazu sind die Entfernungen mitunter länger, und man muss für anschließende Interviews, Lunches, Events, etc. planen. In Venedig schwing ich mich dazwischen leicht aufs Radl und fahr die drei Minuten umziehen. Apropos Fortbewegungsmittel. Was in Toronto mit Taxis und zu Fuß möglich ist, schafft man in Venedig auf dem Boot, zu Fuß und am Fahrrad, auch abends. Wie oft radelte ich schon im Cocktailkleid mit den Manolos im Körberl (werden vor der Premiere gegen uralte Flipflops getauscht, die einem niemand aus dem Korb stiehlt, nicht mal in Italien) zu Abendevents.


Sag ich doch: mit Claudia Farrokhnia in Cocktailkleidchen am Lido

In Cannes ist das zu vergessen. Untertags fahr ich auf dem Moped durch die Gegend und von Termin zu Termin. Auch ins ferne Hotel Du Cap. Heuer werd ich da auch privat mit Festival-Jurorin Nicole Kidman abhängen, was heißt: Resortkleidung, falls Wetter schön. Boots und Lederjacke zur Jean, falls Wetter so scheiße wie im Vorjahr. Und bitte immer ein bissl Make-up. Wer will vor allem auf der Terrasse des Du Cap, wo das Who-is-Who von Hollywood sitzt, so aussehen wie Heidi Klum, die im Pyjama-ähnlichen Jumpsuit und fettigen Haaren zum Lunch kommt. Ihren Hangover hätte sie zumindest hinter Jackie-O.-Brillen verstecken können.


Blick vom Hotel du Cap Eden Roc

Abends hab ich meinen netten Driver Olivier. Billiger als Taxi, schöneres Auto (silberne Mercedes-Limousine mit Ledersitzen). Denn während in Venedig und Toronto Cocktailkleider durchgehen, muss man in Cannes mindestens drei lange Abendroben – full on black tie – mithaben. Auf der AmFar-Gala ist ein Mini deplatziert.


Leider unscharf in no name mit meiner guten Freundin Astrid (in Fendi) bei der AmFar-Gala

Schuhe! Sneakers ja, aber nur für Privatausflüge am Moped. Boots, Sandalen, Ballerinas. Und Highheels. Nachdem ich mir vergangenes Jahr zwei Paar Slingbacks und die Ballerinas aufgeweicht hab, gab ich auf und rang mich vor kurzem zu einem Must-have durch: simple, geschlossene, schwarze Lederpumps. Nicht zu hoch, aber auch nicht bieder. Wetness tested and approved.

Haare: die beste – nicht nur Festival-Entscheidung, die ich je traf, war mein Kurzhaarschnitt. Ich muss weder Geld fürs Styling ausgeben (und wenn, dann vielleicht heiße € 20.- vor der AmFar-Gala), noch muss ich in Venedig Angst haben, dass mir am Boot die Frisur verrutscht. Und die feuchte Hitze in Venezia und Toronto ist auch egal – dann hab ich halt Lockerln 😉


Locker(l) mit Matt Damon am Dach des Danieli


Boat Hair: Man kanns auch anklatschen


Locker(l) mit Oliver Hirschbiegel in Toronto

Packliste für Cannes 2013:

1. Jeans, Caprihosen, ein Hosenanzug

2. Blazer – einer, der zu allem passt

3. Lederjacke

4. Cocktailkleider, Abendkleider (meine sind heuer von Armani, Ralph Lauren und Michel Mayer, alle beim Last Call-Ausverkauf um 65-80% billiger erworben)


Premiere im Palais du Festival, absichtlich durchsichtig in Alberta Ferretti (ist ja nicht das prüde Hollywood)

5. 1 Paar Sneakers, 1 Paar Boots, 3-4 Paar Tages-Sandalen, 1 Paar Abendsandalen (mein alter Trick: warum unter langen Kleidern leiden? Sieht ja keiner), meine Repetto-Ballerinas, die schwarzen Pumps, 2 Slingbacks

6. Belstaff-Jacke, dünner Regenschutz und Motorradhelm (immer mein eigener, ich mag anderer Leute Läuse nicht) fürs Mopedfahren.

7. schwarze und beige Handtasche für untertags, mehrere Clutches für den Abend.

8. 2 Sonnenbrillen (man darf ja hoffen), 1 Kopftuch – diese Idee ist eine neue, passt aber zu Cannes, so im Audrey Hepburn-Stil, und ist super für windige Tage.

Das Wichtigste: Nur nicht so daherkommen wie der durchschnittliche Filmjournalist – no offense. Meine zwei Kolleginnen Magdalena Miedl und Gini Brenner sind der Beweis, dass man nicht so rumlaufen muss, als hätte man vor drei Wochen zum letzten Mal geduscht. Die beiden rasen im Stress von Screening zu Interview und retour und schaffen es, mit kleinen Umstylings-Utensilien, die in die Handtasche passen, immer top auszusehen. Sie waren auch im Vorjahr so schlau, wärmere Kleidung mitzunehmen. Während ich mein Honorar auf der Rue d’Antibes für Pullover und Jacken ausgab.


Mit Gini Brenner vor dem Carlton, beide in Michel Mayer 


Magdalena Miedl, fesch im Excelsior, Venedig. Das Hütchen war party favor

Last but not least muss nun nur noch das Wetter passen. Bitte!!!

09. Mai 2013  / 08:55 Uhr  / by Elisabeth Sereda  / 3 Kommentare  / Labels Friends, Elisabeth Sereda

3 Kommentare

  1. liebste Lena, ich hab dir was eingepackt, wird geliefert 😉

  2. bin bereits angekommen und friere. hab 3 paar jeans, dieselben strumpfhosen wie zur berlinale (!!), lederjacke und meine heißgeliebten hochgeschnürten lederboots eingepackt und bin froh darüber – zum glück muss ich von keinen black tie-parties berichten, als filmkritikerin geht’s durchaus auch leger.

    das basic für fröstelwetter, einen schmalen schwarzen wollcardigan für übers cocktailkleid, ab ich aber in wien liegenlassen. und erklär einmal einer der arroganten verkäuferinnen auf der rue d’antibes, dass das teil, das sie dir verkaufen will, zwar eh fesch ist, aber „made in bangladesh“ leider halt überhaupt nicht geht?!

    bin jetzt grantig, trinke thé au verveine, und erinnere mich seufzend an wärmere jahre.

  3. Die Prognose für Cannes sagt gleich am Beginn einmal Regen voraus, also ist deine Packliste gut gewählt…


Kommentar schreiben

Du musst Eingeloggt werden um kommentieren zu können.

Jetzt Isa Trends Abonnieren?

Bitte E-Mail Adresse eingeben.

>>Abonnieren

MAGAZIN COVERS