Vespa-Time!

Es mag Leute geben, die „mein Auto“ statt „mein Mini“ oder „mein Porsche“ sagen. Das gilt dann als Understatement. Aber kein Mensch sagt „mein Moped“, wenn er seine Vespa meint. Es ist „meine Vespa“, genau wie es „meine Manolos“, nicht „meine Stöckelschuhe“, sind. Eine Vespa ist kein peinliches Statussymbol, sondern ein cooles. Sie ist nicht elitär, weil nicht zu teuer. Sie ist nicht proletoid, weil eine Marke. Und sie ist mit Sicherheit eines der besten Produkte, die in Italien erzeugt werden (neben Kaffee, Pasta und ein paar Designerfetzen).


Blau in Wien

Ich kaufte meine erste Vespa mit 17. Sie war dunkelblau und weiß, und ich liebte sie über alles. Sie war leider auch ein klassisches Modell. Leider, weil klassisch für alt steht, und alte Vespas mit der Zeit ein teurer Spaß werden. Besonders wenn man kein technisch begabter Tüftler ist und das schöne Ding nicht selbst reparieren kann. Am Ende fuhr ich sie nicht zu Schrott, sondern sie war Schrott, und ich verkaufte sie um einen Nepp. An einen Tüftler, was sonst. (Designerin Michel Mayer, die eine wunderschöne Klassische besitzt, stimmt mir hier nicht zu.) Aber die Lust verließ mich nie und juckte ganz arg jedesmal, wenn ich Audrey Hebpurn in Ein Herz und eine Krone mit Gregory Peck durch Rom zischen sah.


Prinzessin auf der Vespa: „Ein Herz und eine Krone“
(Foto: Paramount)

Eines schönen Sommers vor fünf Jahren wurde ich schwach (oder stark?), als ich meine guten Freunde Stephanos Berger und Benno Döller auf ihren – respektive – schwarzen und roten Vespas durch Wien flitzen sah. Ich erstand eine himmelblaue 125 LX und freute mich seither bei Wien-Aufenthalten ganz besonders meines Lebens. Nicht ist geiler, als in Shorts über den Wienerwald ins Klosterneuburger Bad zu fahren (und auf der B14 zurück) und dabei den Wald und die Gräser zu riechen. Nichts eleganter, als im Minikleid und Sandalen, die Manolos unterm Sitz oder im Gepäck, in die Innenstadt, wo ich das edle Ding direkt vor dem Restaurant parke. Gratis, ohne Parkplatzsuche, ohne Stress. Ich empfinde das als unglaubliche Lebensqualität. Nie im Verkehr stecken, nie zu spät kommen, weil man nirgends parken kann. Und in Zeiten der globalen Erwärmung wird man in Österreich bald das ganze Jahr über Vespa fahren können.


Mit Benno Döller in den Weingärten über Kloburg

So edel sie ist, so praktisch ist sie auch: Es ist unglaublich, wieviel man auf ihr, in ihr und mit ihr transportieren kann. Der Haken am Sattel hält auch den größten Einkaufspark, unter den Sitz passt ein weiterer. Das Gepäckköfferchen ist Geschmackssache: für Herren bitte nicht, für Damen in Klimazonen, wo es auch plötzlich mal schüttet, ein Muss. Eine kleine Flasche Haarspray, ein Kamm (auch mit Kurzhaarfrisur immer mitzuführen) und ein extra Helm, wenn man jemanden mitnehmen will, haben leicht darin Platz. Unter dem Sitz sind immer eine durchsichtige Nachtbrille, Motorradhandschuhe und eine Wind-/Regenjacke dabei.


Mine! L.A.-Rider

Nach langen Jahren des Zauderns habe ich mir nun auch in L.A. eine Vespa gekauft. Sie ist im klassischen Rot. Nicht nur aus Ästhetik- sondern auch aus Sicherheitsgründen: Ich bin nie unsichtbar. Denn Los Angeles ist nicht Rom, Paris oder Wien. Los Angeles ist nach wie vor eine Stadt der (schlechten) Autofahrer. Daher mache ich keine Nachtfahrten. Aber am Pacific Coast Highway Richtung Malibu cruisen, die Vespa beim Valet vom Nobu abgeben – priceless. Über den Mulholland Drive fahren und mehr von der Stadt sehen, als man es in einem Auto je kann – großartig. Am besten immer in der Gruppe, mit guten Freunden auf anderen bunten Vespas. Und nein, die rote hat im Gegensatz zur blauen keinen Gepäckkoffer, sondern ein schickes Rack, auf das ich demnächst so wie dieser Vespa-Besitzer eine cognacfarbene Ledertasche schnallen werde. Für jene Anlässe, wenn ich den Laptop mitführen muss.

Mein Helm hier ist ein Unikat, das ein Freund designed hat.

Vespa-Faux Pas:

1. Uggs auf der Vespa. Kürzlich in Culver City gesehen. Grauenhaft. Wenn Boots, dann Motorcycle. (Im übrigen sind Uggs prinzipiell und in jeder Lebenslage voll daneben.)

2. Auch ein No-Go: billige Sneakers. Wenn schon, dann Supergas, Palladiums oder Converse (gilt vor allem für Damen), immer zum Outfit passend.

3. Vollvisierhelme sind für Volldeppen. Ja, sie mögen sicherer sein, aber sicher ist beim Zweiradfahren sowieso nichts. Und Vollvisierhelme sind für hochprozentige Motorräder und Mafiakiller, die ihr Gesicht verstecken müssen.

4. Mit einem engen Kleid fährt man nur einmal. Da lieber ein schicker Slip unterm flattrigen Minikleid. Als ein französischer Geilspecht bei der roten Ampel in Cannes neben mir meinte: „I can see your underwear“, meinte ich unbeeindruckt: „Enjoy it while you can“ und ließ ihn bei Grün im Staub zurück.

5. Flipflops, und hier bekenne ich mich schuldig. Sie sind nicht hässlich, aber unpraktisch beim Auf- und Abstellen der Vespa. Abschürfungen unumgänglich. Wenn es wirklich heiß ist, Sandalen mit fester Sohle tragen.

6. Ohne Helm. Sorry, aber so schön der Wind im Haar sein mag, ohne Helm fahren nur so dermaßen Bescheuerte, dass auch die vorprogrammierte Organspendung ihres Gehirns niemandem mehr helfen wird. Missing IQ.

7. Autobahnen. Jedes Fahrzeug mit weißer Nummerntafel ist auf Autobahnen zugelassen, aber wer einmal von einem LKW überholt wurde, biegt von da an ganz schnell auf die Bundesstraße ab.

8. Mitfahrer, die schwerer und größer sind als man selbst: Ich nehme nur leichte Mädels mit. Schwere Jungs mit A-Führerschein kriegen den Schlüssel in die Hand, und ich schmiege mich von hinten an sie.

9. Falschparken. Und damit ist nicht die Sperrzone gemeint, sondern a) parallel anstatt im 90 Grad-Winkel (damit man so wenig wie möglich Platz wegnimmt), b) ungeschicktes Abstellen, sodass der Autofahrer, der sein Ding vor einen parkt, sie garantiert nicht sieht und umschmeißt, und c) in zu dunklen Gassen, wo es nicht viele Fußgänger gibt und sich daher die Diebstahlsgefahr erhöht. Tipp: am besten immer zu anderen Vespas stellen.

10. Das Ganzkörper-Lederoutfit wurde für die Ducatis etc. erfunden und hat auf einer Vespa nichts zu suchen. Nicht mal Harley-Fahrer ledern sich zu 100% ein. Und ganz sicher nicht als Einteiler, der wie ein Kondom aussieht.

Das Modell links (oben und unten) ist eine Limited Edition, die dem 1946-Modell nachgebaut wurde. Es gibt davon weltweit nur 300 Stück. Eins kostet $10.000.


Think pink! Promo-Vespa beim Filmfestival von Venedig


Magnifico! Klassiker in der Vespa-Stadt Barcelona


Vintage


Liev Schreiber kutschiert Naomi Watts durch Hollywood
(Foto: biopicturesphoto)


Kein Bild für Götter: Jay Leno erdrückt eine Vespette
(Foto: archive.wusa9.com)


So ungewaschen wie Brad, so ramponiert seine Vespa
(Foto: modernvespa.com)


Rafael K. in der Südsteiermark

Isa wird’s nicht verhindern können: Der Sohnemann wusste schon mit 14, was cool ist.

Fotos (so nicht anders gekennzeichnet): Elisabeth Sereda

01. Mai 2014  / 02:25 Uhr  / by Elisabeth Sereda  / 3 Kommentare  / Labels Friends, Elisabeth Sereda

3 Kommentare

  1. Um genau zu sein, sind es zwei Hunde: Ein Mops (der ginge hinten drauf) und ein großer Jagdhund (der muss eben daneben herlaufen).

  2. @Christiane: unter den Sitz passt er nicht, aber ins Kistl hinten drauf! Hab ich grad gesehen, konnte es leider nicht fotografieren, weil die so schnell weg waren. Geht natürlich nur, wenn es sich nicht um einen Bernhardiner handelt:-))

  3. Wunderbarer Beitrag! Danke! Ich bin auch ein großer Vespa-Fan. Habe eine 125er in kirschrot. Einziges Minus: Der Hund passt nicht unter den Sitz.


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