Glutennazis und andere unerwünschte Gäste

Meine liebe Freundin und Kollegin Magdalena Miedl, eine hervorragende Köchin, postete kürzlich einen ratlosen Tweet: „Menschen einladen, die 1, Zöliakie haben und Innereien lieben, 2, Innereien hassen 3, vegetarisch leben und 4, vegan leben…“ Meine Antwort darauf: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Basta. Und Pasta. (Und ich bezweifle stark, dass einer ihrer Freunde Zöliakie hat – mehr dazu später)

pasta

 

Am selben Tag stand in der Branchenzeitung The Hollywood Reporter ein Artikel, in dem stand, dass die angeblich so gesunden Gerichte, die Hollywoodstars zu sich nehmen, eine Farce sind: Ein Smoothie hat mehr Zucker als ein Cola, das Dressing vom Chopped Vegetable Salad im In-Lokal La Scala in Beverly Hills mehr Transfette als ein Shrimptaco von Taco Bell, und jedes einzelne Gericht auf der Speisekarte des ach-so-gesunden Veganrestaurants Cafe Gratitude (allein schon der pseudo-spirituelle Name) mehr Kalorien als ein Big Mac. Ich gebe an dieser Stelle offen meine Schadenfreude und Selbstbestätigung zu. Denn ich habe diese Trend-Allergiker im wahrsten Sinn des Wortes satt. Allergisch auf Gluten? Bullshit. Das sind genau 2% der Weltbevölkerung, und diese armen Menschen leiden unter einer sehr unangenehmen Krankheit namens Zöliakie. Der Rest von uns ist entweder durchaus happy, Brot und Nudeln zu essen, oder macht sich blöd wichtig, weil Nahrungsmittelallergien so in sind.

THR
Der Artikel im Hollywood Reporter

Ich gebe an dieser Stelle zu, dass ich komplett obsessed bin, was Ernährung betrifft, und mich ständig informiere und weiterbilde, was wirklich gesund ist oder nicht. Was ich koche, muss bio sein, ich recherchiere die Bauernhöfe, von denen ich Fleisch kaufe, vermeide Fisch aus dem Pazifik (Fukushima) und Shrimps im allgemeinen, weil sie verweste Fischleichen vom Meeresgrund fressen, die wir dann zu uns nehmen, und brauche im Supermarkt Stunden, weil ich jedes Label lese, abfotografiere und Bezeichnungen wie Mononitrat und Thiamin (beide entsetzlich) google. Meine Freunde sagen immer, ich könnte meine Gäste auch gleich ins Nobellokal einladen, bei dem, was ich für Lebensmittel ausgebe. Nur wäre das in den meisten Fällen wohl weniger gesund.

Meine Besessenheit begann, als ich merkte, dass ich in den USA sofort zunehme, wenn ich die gleichen Lebensmittel zu mir nehme wie in Europa. Und entdeckte, dass sie eben nicht die gleichen sind. Des Rätsels Lösung heißt Konservierungsmittel und GMO – oder wie ich es nenne: genetisch modifizierter Dreck. Übersetzt: vor allem Weizen, Korn, Zucker und jedes Milchprodukt, auf dem „non fat“ steht. Oder wie mein herrlicher Chiropraktiker, der ehemalige Mister Universe und geborene Sardinier Franco Columbo, meint: „Brot und Pasta haben gefälligst nur vier Zutaten zu haben – Biomehl, Germ, Salz und Wasser. Alles andere ist Vergiftung. Vor allem die Konservierungsmittel, die sie unter der Bezeichnung ‘Vitamine’ verstecken. “

sashimi

Aber zurück zu den Glutennazis, den Veganern, Diätfreaks und Pseudo-Allergikern, die Gastgebern und Köchen den Appetit verderben mit ihren Anforderungen. Wer von mir eingeladen wird, hat nur einen von zwei akzeptablen Sätzen von sich zu geben: „Super, danke, ich freu mich.“ Oder: „Sorry, ich bin grad auf Diät und kann leider nicht kommen.“

Denn mein Steak ist vom Biobauern, mein Hendl ist vorgestern noch auf grasgrünem Freiland herumgelaufen, und mein Fisch schwamm heute früh noch im Meer oder See. Es gibt immer genügend Gemüsegerichte, um auch den größten Vegetarierhunger zu stillen, meine Salatdressings sind aus bestem Olivenöl, Balsamico und Meyerzitronensaft selbst gemacht, und wer beim Flourless Chocolate Cake nur die Himbeeren auf der Seite essen will, sei herzlich willkommen. Entenfett ist gut, Schweineschmalz herrlich und Butter super. Alle drei kommen in meiner Küche vor – und sind wie Ernährungswissenschafter und Ärzte endlich auch sagen – ‘gute Fette’ und als Basis für viele westliche Gerichte perfekt. Wenn ich orientalisch koche, verwende ich ohnehin Kokosöl. Und dreiprozentiges Joghurt und Sauerrahm sind gesünder als einprozentiges. Wers nicht glaubt, soll sich informieren, bevor er den Hype glaubt, den Nahrungsmittelhersteller aus reiner Geldgier verbreiten. Dass ‘glutenfrei’ innerhalb der letzten 2 Jahre zu einer 50-Milliarden-Dollar-Industrie (!) wurde, sagt eigentlich alles.

steak

Ich vermute, meine großartigen Hobbykoch-FreundInnen Magdalena Miedl, Gini Brenner und Rudi Klausnitzer sowie die wunderbare Gourmetkritikerin und Kochbuchautorin Katharina Seiser werden mir zustimmen: Als Gast Bedingungen an den Gastgeber stellen geht gar nicht. Das zeugt nicht nur von uninformierter Hysterie, sondern vor allem von Unhöflichkeit und schlechtem Benehmen.

12. Februar 2016  / 04:42 Uhr  / by Elisabeth Sereda  / 1 Kommentar  / Labels Friends, Elisabeth Sereda

1 Kommentar

  1. right you are!


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