Meine Tochter und ich wurden für die Zeitschrift „Wienerin“ fotografiert. Das an sich ist schon eine mittlere Sensation, denn es handelte sich nicht um eine Geschichte über Frühpensionistinnen und deren Kinder. „Du schreibst doch ein Buch?“, fragte mich die Redakteurin der „Wienerin“ hoffnungsfroh am Telefon, „das wird ganz sicher ein Bestseller, oder?“ Sie klang ein bisschen verzweifelt. Das lag sicher überhaupt nicht daran, dass eine Echt-Promi-Mum in letzter Sekunde abgesagt hatte und die Redakteurin für das am nächsten Tag anberaumte Foto-Shooting subito Ersatz aufstellen musste. Nein überhaupt nicht, ich stand sicher von Anfang an ganz oben auf ihrer Liste. Ich, die Gesellschafts-Journalistin a. D. Das ist schon rührend – ich meine, selbst als G-J i. D. habe ich überschaubar zahlreiche Autogramme an der Billa-Kassa gegeben.
Feli fand die Aussicht darauf, für eine Zeitschrift fotografiert zu werden, weniger aufregend. Ich fackelte nicht lange herum und bestach sie mit drei Überraschungseiern und einer Packung Pombären. Das klappte. Ich musste dann auf fünf Eier aufstocken, als die Stylistin Felis Haare lockig machen wollte. Ich bekam auch Locken. Und pinkfarbene Lippen. “Du schaust aber lustig aus”, kicherte Feli bei meinem Anblick. Als man ihr das gestreifte Rüschen-Westchen zeigte, das sie anziehen sollte, verging ihr das Kichern. Ich ließ mich auf drei Packungen Pombären raufschrauben und legte noch einmal Pumuckl-Schauen drauf. Feli zog das Westchen an und stellte sich brav neben die Mami, der man einen gestreiften Strick-Bikini verpasst hatte. “Kann man mit dem schwimmen gehen?”, fragte Feli interessiert. Die Stylistin erklärte ihr, dass es sich hierbei um ein “Showroom”-Teil handle. “Und warum?”, wollte Feli wissen. Hmmmmm. Ja, warum eigentlich? Die Stylistin hatte keine Antwort, dafür aber Schokolade.
Drei Wochen später zeigte Feli “Die Wienerin” stolz im Kindergarten herum. Ihre Freunde fanden die Fotos “voll cool.” Meine Freunde lesen “Die Wienerin” nicht. Zumindest nicht von selber. Sicher, ich hätte ihnen sagen können, dass sie sich “Die Wienerin” bitte besorgen sollen. Aber sooooo wichtig ist es nun auch wieder nicht. Den Trafikanten meines Vertrauens, einen erdigen Breitenfurter mit Oberlippenbart, würde ich jetzt nicht als Freund bezeichnen. Aber er war gerade da, als ich das Heft bei ihm kaufte. Ganz beiläufig blätterte ich während des Zahlvorganges (ich will immer eine Rechnung – mein Mann ist Steuerberater) in der “Wienerin” herum, und als ich bei den Seiten mit unserer Fotostrecke angekommen war, sagte ich überrascht zu mir selbst: “Aha, das Foto mit den Luftballons haben sie also genommen…” Der Trafikant biss an und wollte auch schauen. Er nahm das Heft fast ehrfürchtig in die Hände, betrachtete erst mich, dann das Foto, dann wieder mich. Ja, ja, da staunte er, mein Trafikant. Ich war bereit ein Autogramm zu geben, wollte gerade den Kugelschreiber zücken, da sagte mein Trafikant: “Auf dem Foto hätte ich Dich jetzt nicht erkannt. Was hast Du da Komisches an? Und was ist mit Deinen Haaren passiert?” Ab morgen kaufe ich meine Zeitungen woanders.






Fashiondesigner Karl Lagerfeld will eine günstige Prêt-à-porter-Marke über das Internet verkaufen.
Anmerkung von mir: Christiane und Feli tragen beim Shooting Outfits aus der brandneuen “Sonja Rykiel für H+M”-Kollektion.