Opernball 2012

Als ob es irgendjemanden (außer die drei Opernballmoderatoren) interessiert hätte, ob Boris Becker, Ban Ki-Moon oder Roger Moore “heute noch tanzen werden”. Sollen sie doch tanzen. Oder auch nicht. Das ist uns, den Millionen, zuhause vor den Fernsehern sowas von wurscht. Wir wollen Kleider schauen und Blicke in die Logen werfen. Wir wollen wissen, wie lange Christiane Hörbiger für diese sonderbare “Ich-hab-die-Haare-hoch”-Frisur beim Friseur sitzen musste, wie gut Lily Becker mit “ihrer guten Freundin”, der Designerin Irina Vitjaz, tatsächlich befreundet ist, deren Namen ihr vor der Kamera  nicht mehr einfallen wollte. Ja, und dann wollen wir wissen, ob Karina Sarkissova und Heinz Stiastny miteinander gehen und warum man der Star-Sopranistin Angela Gheorghiu keinen Stylisten gegönnt hat, der sie mit ziemlicher Sicherheit vor dem schrecklichen Mohnblumen-Ampel-Kleid bewahrt hätte.


Lilly Becker glänzte wunderschön in einer Robe der russischen Designerin Irina Vitjaz (die außerdem noch Desi Treichl-Stürgkh und Uschi Fellner ausstattete – hätte die Opernball-Chefin nicht Recht auf Exklusivität :-) ?)

Aber man darf nicht ungerecht sein: Miri, Alfons und Barbara haben ihre Sache gut gemacht, wobei ich dieses nasale “Ich hätte gern in Oxford studiert”-Englisch von Herrn Haider langsam unerträglich finde und sich Frau Rett für meinen Geschmack bei den Interviews mit den Künstlern zu unterwürfig gebärdet hat. Als wäre sie ein Kultur-Groupie. Schade, weil eigentlich ist Barbara Rett eine tolle Journalistin, die sich wirklich gut auskennt. In der Kultur. Nicht in Modedingen. Die Farben hellblau und sandbraun auf ein Kleid zu packen, sollte verboten sein. Frau Rett lässt sich aber modetechnisch nie was dreinreden. Mirjam Weichselbraun zum Glück schon. Deshalb sah sie von Kopf bis Fuß bezaubernd aus. Auch die Haare hatte sie schön – als eine von ganz wenigen.


Eine Augenweide & mit Abstand die Schönste: Mirjam Weichselbraun – an ihr war alles perfekt


Jedes Jahr das Gleiche: Barbara Rett ist eine unglaublich schöne Frau, die eine tolle Silhouette hat, aber bei der Kleiderwahl leider danebengreift

Den Vogel schoss Ex-Ballerina Karina Sarkissova mit aufgeklebter Rapunzel-Mähne ab. Dicht gefolgt von Verleger-Gattin Ekaterina Mucha (hochgesteckt, aber doch offen mit schicker 80er-Jahre-Seitensträhne), Sonja Klima (zu lang, zu offen). Frau Ushakova hatte sich eine Netzhaube aus Glitzersteinen aufgesetzt. Warum nur?


Ekaterina Mucha


Natalia Ushakova

Die Ballköniginnen:


Christane Hörbiger im schwarzen Mantelkleid (Top! bis auf die komische Frisur… hier bin ich mit Isabella nicht einer Meinung, sie fand die Frisur großartig) (Foto: ORF/Thomas Jantzen)


Adele Neuhauser, hochgeschlossen, braun, edel


Claudia Stöckl in Valentino (nude)


Brigitte Nielsen in opulenter Rosenrobe. Sah an ihr – und NUR an ihr – toll aus


Jacqueline Lugner bewies im Gegensatz zu ihrer Mutter (gold mit Beinschlitz – was sonst) Stil. Das braune One-Shoulder-Kleid war wirklich elegant.


Helena Christensen sah aus wie ein schöner Schwan

Und das ging leider daneben…
Isabella Bogner-Bader trug einen Sektkübel auf dem Kopf


Renate Hirsch in Babyblau, bestickt bis zum Umfallen


Doris Golpashin im unschönen Schokolade-Kleid. Wahrscheinlich brauchte sie dringend das Geld..


Karina Sarkissova kam in einer roten kurzen Proleten-(Eigen-)Kreation. Und dazu noch die Rapunzel-Haare… bitte so nicht.

Die Ballmutter:

Desi Treichl-Stürgkh trug Irina Vitjaz in Latex-Optik – wie auch Frau Becker und Frau Fellner. War früher Thang de Hoo der Hausdesigner des Opernballs, hat jetzt die russische Designerin Irina Vitjaz die Nase vorn. Vielleicht gibt es Rabatt bei den sündhaft teuren Kleidern. Ein durchschnittliches Vitjaz-Kleid kostet nämlich soviel wie ein Kleinwagen. Desi sah trotzdem schon mal besser aus. Nichts kommt an das herrliche silberne  Kirchgrabner-Kleid von vor drei Jahren heran. Also wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah… Und dass man “alte” Kleider ruhig ein zweites Mal anziehen kann, bewies Lotte Tobisch. Sie trug ein Adlmüllerkleid aus den 80er-Jahren und sah toll aus.
Fotos: www.andreastischler.com

17. Februar 2012  / 11:07 Uhr  / by Christiane Tauzher  / 4 Kommentare  / Labels Christiane Tauzher

4 Kommentare

  1. Grossartig geschrieben, und viel besser als die übliche anbiedernde Hofberichterstattung. Treichls Star Trek Kleid von Uschi Fellners Designerin, wie peinlich ist das denn? Aber Frau Becker war umwerfend!

  2. mein lieblingskommentar gestern kam von brigitte nielsen: “ich bin full von emotionen” :-)
    die frisur von christiane hörbiger war eine der besten. lotte tobisch ist sowieso immer der reine wahnsinn. aber was bitte hat rosario dawson am opernball gemacht?

  3. Frau Tauzher trifft punktgenau, der beste Kommentar, den ich bisher gelesen habe. Und dass sich Frau Rett bei den Interviews wie ein Kultur-Groupie verhalten hat, das vor lauter Bewunderung ganz aufgeregt ist, war leider schon letztes Jahr so.

  4. Ich beobachte nur aus d Ferne. Habe in d Nacht red carpet u Eröffnung gesehen. Das hat mir wirklich gefallen. Barbara Rett braucht bei diesem Anlass keine kritischen kulturinterviews fuehren, mir genügts, dass sie in einwandfreiem deutsch, englisch, französisch UND italienisch interessante Gespräche gefuehrt hat! Erinnern wir uns an frühere Jahre! Da hat sich im ORF sicher etwasnzum Besseren weiterentwickelt.
    ÜBer die Blicke in die Logen kann ich nix sagen, diesen Teil habe ich in der TV thek nicht mehr geschafft. Die Eröffnung war auf jeden fall einzigartig, der Riesenapplaus wohl verdient.


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