Oh my God!

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Walkman erinnern. In Rotbraun/Metallic, von “Sony” versteht sich, und mit diesen tollen Kopfhörern, die man heutzutage nur mehr aus dem Langstreckenflieger kennt. Sie wissen schon, die mit dem Puschel-Überzug (Name des Materials entfallen, Ideen und Vorschläge bitte auf meine Facebook-Seite), den man gleich verloren hat und sich von den scharfen Kanten des Plastiks von Migräneattacke zu Migräneattacke treiben ließ. Und erst diese herrlichen Kassetten. 60er oder 90er, selbst beklebt mit Blümchenpickerl und Titel wie “Sommergutelaunemix 89″ oder schlicht “Schmusen”.

Dann kam lange nichts. Dann kam iPod, und nach dem wurde ich sofort süchtig, zur Zeit besitze ich drei Stück. Eine Sucht, die so weit geht, dass es in meinem Haushalt keine CDs mehr gibt. Pandora hat eine iPod-Anlage, klein, fein, weckt halb Hietzing allmorgendlich mit Feinheiten wie “Seasons in the Abyss” von Slayer.

Und jetzt? Hab ich OhMiBod. Oh my God! Ein Vibrator, der den jeweils aktuellen Lieblingssong (“Kabinenparty?”, “Waka Waka”, etc.) in pure Lust umwandelt. Plug and Play in seiner unheiligsten Form. Das Teilchen wurde mir zu Testzwecken zur Verfügung gestellt, gottchen, was war das für ein Hallo in der Redaktion, als der Mozart unter den Vibratoren angeliefert wurde. Und was für ein Frust erst herrschte, als wir merkten, dass sich das gute Stück mal ein paar Stunden aufladen muss, bevor es funktioniert.

Da lag es also in all seiner lila Pracht am Schreibtisch der Ressortleitung (meine Steckdosen sind alle belegt) und zog neugierige Blicke auf sich. Kichern in der Kantine, Glucksen am Klo, das volle Programm.

Nur ich – ich vergaß OhMiBod. Tage, nein Wochen mussten verstreichen – bis zur Urlaubsreife. Im Gepäck: Bikini, 20 MB Mucke, OhMiBod und natürlich: der Gatte in spe. Irgendwie dürfte der Chefpromoter des Schüttelorchesters mitbekommen, dass ich mich jetzt in Monogamie versuche und dass Plastik kein Betrug ist.

Nach den üblichen Entscheidungen (Vibrator ins Handgepäck? Koffer?) erreichten ich und mein lila Liebhaber endlich das Hotelzimmer. Draußen Moslems und 40 Grad, drinnen Pandora und OhMiBod, der Gatte betrank sich all inclusive an der Poolbar. Ich machte mich locker: Mini-Bar. Ich versuchte, mich zu entscheiden: Mein Musikgeschmack ist ein weites Feld und reicht von PsyTrance bis Marilyn Manson, von Verdi bis Madonna. Die Wahl fiel auf, wie könnte ich mich enttäuschen, auf die härtere Gangart. Rammstein, eh klar. Im Kopf, in Vulvazela (sorry, die WM, geht nicht spurlos an mir vorbei).

Diese Melange führte verständlicherweise zur einem Overload der Empfindungen: Mitsingen? Tanzen? Stöhnen? Kommen? Rammstein schreien “You’ve got a pussy 
I have a dick! So, what’s the problem
Let’s do it quick!” in meine Ohren, OhMiBod schrie “You’ve got a pussy
 I have a dick! So, what’s the problem
Let’s do it quick!” in mein… na ja, Sie wissen schon. Tröt. Ganz ehrlich: nicht das Wahre.

Ich bat Anna um Rat, Netrebko nämlich. Ergebnis: Ich schlummerte sanft dahin, während der Lange in mir säuselte. Dann starb Mimi, und die Nummer war vorbei. Auch: nicht das Wahre. Eine Playlist musste her. Aber: ich besitze derer viele. Die meisten tragen Männernamen, soweit geht meine Musiksucht, jeder Lover wird bei mir auch soundtechnisch archiviert. (Einen muß ich besonders gehasst haben, denn in seiner List finden sich nur Gemeinheiten wie “She f***g hates me” von Puddle of Mud oder diese Frustschreibetrugsnummer von Kelis.)

Egal. Meine Wahl fiel nach einiger Überlegung und zweimal Pinkeln (mittlerweile hatte ich einen im Tee – von diesen entzückenden Mini-Fläschchen in der Mini-Bar) auf “Back in Black”, eine Sammlung meiner liebsten Arschwackel-RnB-Nummern. Und heureka: Der Bann war gebrochen – ich und OhMiBod, Ohren und Tröt – ein perfekt eingespieltes Team. Knapp vor Ohmygod flog die Tür auf – der Future Husband wankte ins Zimmer, das All-Inclusive-Band hing traurig von seinem Handgelenk. “Sex?” fragte ich. “Zu müde”, sagte er. Was soll ich noch sagen: Er bekam die Kopfhörer, ich bekam das lange Lila. Und irgendwie hatten wir dann doch einen Dreier.

16. Juni 2010  / 15:50 Uhr  / by Pandora Reithermann  / 7 Kommentare  / Labels Pandora Reithermann

7 Kommentare

  1. lof. ouh lof. i wonna tell you how i feel about it. lof. ouh lof. kent gou a minnid without yor lof.

  2. Musik dabei..nur sehr hintergründig. Nervt grundsätzlich. Sonst bin ich bei Christiane und habe auch dieses “ich muss das Lieb zu tode hören ” Ding. Und das glaubt jetzt auch niemand, aber der letzte grauenhaft Ohrwurm ist tatsächlich “Alejandro, Alejandro,Roberto!” Ich hoffe das geht vorbei. Der letzte war Lena mit “Satellite” .Je eh, was soll ich machen……und dafür brauche ich weder ipod noch walkman, das ist im Kopf……

  3. vielleicht, damit millionen mädels mit robbie williams sex haben können?

  4. Ich verstehe überhaupt nicht, warum man für die oben genannte Sache Musik braucht. Hat sich sicher ein Mann ausgedacht ;-)

  5. ich hab auch keinen ipod. aber ich hör nie ein lied mehrmals hintereinander, sowas tät mich wahnsinnig machen.

    für die oben erwähnte genitale anwendung ist halt ein ipod passender als ein plattenspieler.

  6. Also ich habe auf meinem iPod überschaubar viele Songs. Mir ist das Ding nicht so sympathisch. Ich weiß, sowas kommt in der heutigen Zeit freakig daher – aber ist so. Außerdem gehöre ich zu denen, die ein Lied tausend Mal hintereinander hören können. Diese Woche ist Gloria Gaynor am Zug. Ich höre seit Montag NUR “Honey Bee”.

  7. der gedanke lässt sich ausbauen – ich kenne zb sehr viel musik, die echt fürn a ist.


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